Sehende Augen brauchen ihr GegenŸber

 

Bruno Murer zeigt in Sarnen Skulpturen und Zeichnungen. Sie machen deutlich, dass sich nur sieht, wer zu einem GegenŸber in Bezug steht.

 

Der ÇSehkšrperÈ-Thematik ist Bruno Murer treu geblieben. In seiner aktuellen Ausstellung stellt er das Ich ins Zentrum – und gleichzeitig dessen GegenŸber, ein ÇdasÈ, an dem sich das Ich erst erkennen kann. ÇIch kann mich erst wahrnehmen, wenn ich eine Beziehung herstelle zu dem, was um mich istÈ, sagt der 1949 in Beckenried geborene, in Kriens lebende KŸnstler.

 

Massnehmen am GegenŸber

 

Im Kellergewšlbe der Galerie Hofmatt sind zusammengebunden die Fragmente eines verkleinerten Kuhkšrpers und ein Menschenkopf zu sehen, Skulptur gewordener Ausdruck mitfŸhlender Anteilnahme mit Mensch und Tier, der Vergewisserung eigener Existenz. Am GegenŸber nimmt das Ich Mass, an Augenpunkten hŠlt sich sein Blick fest, an den Bezugslinien kommt es zur eigenen Verortung.

 

Im Panoramazimmer setzt Bruno Murer seine Arbeit in Bezug zur Wandmalerei aus dem 17. Jahrhundert. Mensch und Ršhre markieren einen Stollenausbruch. Liegend wird die Bewegung der SŠulen wiederholt: Die auf die Wand gemalte Landschaft ist in Bezug gesetzt zum stehenden, sehenden Ich.

 

Eine eindrŸckliche Serie von Tusche- und Mischtechnik-Zeichnungen thematisiert – ebenfalls unter dem Aspekt von Blickrichtung und AugengegenŸber – menschliche Existenz als steten Wechsel von in Beziehung Treten und die BezŸge wieder verlieren.

 

Urs Bugmann

 

 

Neue Luzerner Zeitung, 5. Juni 2010